Landrat Zellner begeistert von den Projekttagen des Observatoriums Wettzell
Von Alexander Neidhardt
Wie innovativ, fortschrittlich und zukunftsstark sich der Landkreis Cham präsentiert, zeigt sich nicht nur in den niedrigen Arbeitslosenzahlen von drei Prozent, bei denen er im bayernweiten Vergleich nach Freising und Eichstätt Platz drei einnimmt, sondern immer wieder auch durch innovative Projekte. Eines dieser Vorhaben ist das Jahr der Technik des Landkreises, bei dem besonders Schülerinnen und Schüler aus der Region gezielt praktische Einblicke in Hightech-Berufe erhalten sollen. Träger des vorbildlichen Projekts ist der Aktionskreis Lebens- und Wirtschaftsraum Landkreis Cham e.V., der in Zusammenarbeit mit örtlichen Betrieben, Einrichtungen und Institutionen entsprechende Partner für die Schulen präsentieren will. In diesem Zusammenhang wurde unter anderem das sog. Einstein-Labor im Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium eingerichtet, Schülerwerkstätten in Ausbildungsbetrieben ermöglicht, CNC-Fräsmaschinen an Hauptschulen beschafft und eine Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen abgeschlossen. Letztere ermöglicht einen bevorzugten Zugang bei Besuchen des Raumfahrtzentrums für Schülerinnen und Schüler des Landkreises.
Aber auch in der Region findet man Einrichtungen, in denen Hochtechnologien eingesetzt werden. Eine davon ist das Geodätische Observatorium Wettzell, das vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie und von der Forschungseinrichtung Satellitengeodäsie der Technischen Universität München betrieben wird. Und so lag es auf der Hand, hier eine Kooperation zu initiieren und unter dem Motto „Physik und Messtechnik – Grundlage der modernen Geodäsie“ für Schülerinnen und Schüler Projekttage anzubieten, bei denen sie durch praktische Experimente physikalische und geodätische Messaufgaben selbst lösen können. Verantwortlich für die Betreuung der Experimente ist in Wettzell vor allem der Förderverein Geodätisches Informationszentrum Wettzell e.V. (GIZ), der zusammen mit Mitarbeitern der Station die Schülerinnen und Schüler vor zahlreiche Aufgaben stellt. Davon konnte sich am vergangenen Donnerstag auch Landrat Theo Zellner überzeugen, als er den Projekttag für die Klassen 11T der Fach- und Berufsoberschule (FOS/BOS) Cham besuchte. Begleitet wurden die Klassen von den Lehrern Winkelmeier und Lewandowsky . Eine Woche zuvor war bereits der Grundkurs Physik in der 12 Klasse des Benedikt-Stattler Gymnasiums (BSG) mit der Kursleiterin Susanne Freelandt mit denselben Experimenten zu Gange.
Die Schülerinnen und Schüler bestimmen dabei mit unter die Lichtgeschwindigkeit in einer Glasfaser, führen selbst Fallversuche durch, um die Schwerebeschleunigung auf der Erde zu ermitteln oder experimentieren mit der Positionsbestimmung anhand von Schallwellen. Durch die im hörbaren Bereich ausgestrahlten Signale lässt sich nämlich das Prinzip der Satellitennavigation leichter verdeutlichen. Ein weiterer Versuch ermöglicht den Nachweis der Erdrotation mit einem Foucault-Pendel. Und dass hierbei die Kooperation mit den Schulen eine gute Synergie darstellt, zeigt sich unter anderem auch durch Projekte an den Schulen selbst. So hat die FOS/BOS bereits in den letzten Jahren unter begleitender Mithilfe aus Wettzell ein eigenes Foucault-Pendel am Schulgebäude in Cham nachgebaut. Bei Folgeprojekten zweier Schüler werden Konzepte zum kontinuierlichen Anregen der Pendelbewegung und zur besseren Anzeige der Erddrehung mittels einer Kompassrose mit Leuchtdioden umgesetzt. Auch am BSG laufen im Rahmen der Partnerschaft mit der TU München ähnliche Projekte.
Und so stellte Landrat Theo Zellner noch einmal klar heraus, welche Bedeutung das Geodätische Observatorium Wettzell für den Landkreis darstellt und dass hier durch die kontinuierliche Beobachtung der Erde zumeist im Stillen ein Mehrwert für die Menschen geschaffen wird, der im Zuge globaler Klimaänderungen und Katastrophen jedem zu gute kommen kann. Und gerade solche Herausforderungen verlangen nach großen Innovationen und einer entsprechenden Qualität, was für Zellner eine neue Definition für die Abkürzung „IQ“ darstellt und ganz besonders auch durch das landkreisweit erste der vorgesehenen Schülerlabore in Wettzell zum Ausdruck kommt.
So soll auch in den kommenden Monaten weiteren Klassen die Möglichkeit zum Experimentieren im Geodätischen Observatorium Wettzell ermöglicht werden, was auch der aus seinem Amt scheidende Stationsleiter, Dr. Wolfgang Schlüter, als Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit unterstrich. Landrat Theo Zellner bedankte sich diesbezüglich mit einer Urkunde für die Teilnahme am Jahr der Technik und die Einrichtung des ersten Schülerlabors des Landkreises und übergab zudem an den scheidenden Stationsleiter als Anerkennung einen Sammlerkrug und an den Hauptorganisator vom Förderverein GIZ, Dr. Thomas Klügel, einen sog. „ Osser -Spatzen“, ein handgeblasenes Glaskunstwerk. Bevor Theo Zellner dann eilig zum nächsten Landkreisprojekt, dem Betreuungsheim der Thomas- Wiser -Stiftung in Willmering , aufbrach, ließ er es sich allerdings als ehemaliger Lehrer nicht nehmen, einige Fragen zu den Experimenten an die Schüler zu richten. Diese teilten sich anschließend wieder in die Experimentiergruppen auf, um den physikalischen Messinstrumenten weiter Erkenntnisse zu entlocken.

Schüler der 11T der FOS/BOS beim Nachweis der Erdrotation mit dem Foucault-Pendel

Schüler der 11T der FOS/BOS beim Messen der Lichtgeschwindigkeit in einer Glasfaser

Schüler der 11T der FOS/BOS bei der Bestimmung des Ortsfaktors g

Der Landrat Theo Zellner ist begeistert vom ersten Schülerlabortag am Geodätischen Observatorium (im Hintergrund Walter Hamperl vom Landratsamt, Prof. Ulrich Schreiber von der TU München, der Stationsleiter Dr. Wolfgang Schlüter und GIZ-Vorsitzender Dr. Thomas Klügel)

Als Auszeichnung für das besondere Engagement an den Projekttagen zum Jahr der Technik überreichte Landrat Theo Zellner eine Urkunde an den Stationsleiter Dr. Wolfgang Schlüter und den GIZ-Vorsitzenden und Projekttagbetreuer Dr. Thomas Klügel, Mitbeteiligt auch Prof. Schreiber mit seinen Experimenten für Studenten

Trotz des kurzen Besuchs sehr begeistert: Landrat Theo Zellner beim Projekttag am Geodätischen Observatorium Wettzell (v.l.n.r.: Landrat Theo Zellner, der Stationsleiter Dr. Wolfgang Schlüter, Prof. Ulrich Schreiber, Dr. Thomas Klügel vom GIZ und Walter Hamperl vom Landratsamt