BSZ macht Frauen zum Thema

Gudrun Linn während ihrer Führung

Das BSZ Cham nahm in seinen letzten Schulwochen zusammen mit seinem Seminar „Frauenbilder in der Gesellschaft und der Literatur“ die Probleme der Frauen vor 100 Jahren und heute in den Fokus. Dazu wurde einerseits das Museum „Frauenfleiß“ in Blaibach besucht und andererseits das Gespräch mit der Frauenfachberatungsstelle Cham gesucht.

Gudrun Linn, die Besitzerin des Museums „Frauenfleiß“ in Blaibach, nahm sich viel Zeit für die Schülerinnen des BSZ Cham, denn sie betonte bereits zu Beginn der Führungen, dass es ihr ein besonderes Anliegen sei, die Rolle der Frau und wie sie sich durch die Anstrengungen der Frauenbewegung gewandelt hat, ins Zentrum ihrer Arbeit zu stellen. Auch sie selbst sei für die Frauenrechte auf die Straße gegangen. Ihr Motto sei deshalb auch „In die Zukunft erinnern“, so dass die heutigen Frauen nicht die Leistungen der Frauenrechtlerinnen vergessen und die Errungenschaften mehr zu schätzen wissen. Seit fast 10 Jahren existiert das von ihr selbst geführte Museum, das sie komplett mit selbst gesammelten Ausstellungsstücken aus der Jahrhundertwende bestückt hat.

Besonders hob Linn hervor, wie wichtig Strom im Haushalt war, damit man auch Tätigkeiten außer Haus nachgehen konnte, denn vor der Jahrhundertwende war alles Handarbeit, was die Frauen schließlich den ganzen Tag beschäftigte und auch notwendig machte, dass man ein Dienstmädchen hatte, wollte man den bürgerlichen Haushalt sauber halten. Allerdings war ein sehr positiver Nebeneffekt, dass man Nachhaltigkeit in jedem Belang lebte. So wurde Wäsche geflickt, das Spülwasser fand beim Putzen eine erneute Verwendung und selbst Teile des Weihnachtsbaums wurden später z.B. zu einem Quirl verarbeitet. Dementsprechend wichtig war auch in der Schule das Unterrichten von Handarbeit und Hauswirtschaft, da man v.a. das Nähen aber auch das Kochen erlernen sollte. Denn diese beiden Dinge galten als essentiell für die gute Hausfrau. Nach diesen Qualitäten sollte schließlich auch der künftige Ehemann Ausschau halten, wenn er seine Zukünftige wählt. Ganz generell ging es im Leben der Frau darum, sich besonders um den Gatten zu kümmern. Die Frauen definierten sich auch selbst über die Position des Mannes in der Gesellschaft. Es zählte also nur, dass der Ehemann möglichst viel erreichte. So lautete dann auch das Motto, das die Frauen eingebläut bekamen: „Wenn du das tust, was dein Ehemann sagt, ist es gottgefällig.“ Manches von dieser gewünschten Unterordnung der Ehefrau unter ihren Gatten blieb ebenfalls gesetzlich relativ lange verankert. So konnte der Mann bis in die 70er Jahre hinein Einspruch gegen die Aufnahme einer Beschäftigung durch seine Frau einlegen, wenn er Bedenken hatte, dass sie durch ihre Arbeit ihren häuslichen Pflichten nicht nachkam. Bis 1997 blieb auch die Vergewaltigung in der Ehe straffrei. Doch auch heutzutage gibt es Partnerschaften, in denen sich wohl einige Männer die Zeiten herbeisehnen, in denen die Frau sich voll und ganz unterordnen musste.

Das macht Anlaufpunkte wie die Frauenfachberatungsstelle notwendig, mit der auch das Seminar  “Frauenbilder” in Berührung kam. Die beiden Fachberaterinnen, die an die Schule kamen, sehen sich als Vermittler zwischen Jugendamt, Polizei, dem Frauennotruf und anderen Stellen. Das Angebot ist kostenlos und auf Wunsch wird auch anonym beraten. Das Team besteht deswegen nur aus Frauen, da sie ausschließlich Frauen beraten, was nicht heißt, dass es nicht auch häusliche Gewalt gegen Männer gibt, diese werden jedoch an andere Stellen weiterverwiesen. Im Zentrum steht bei der Beratung der Frauen, ein Vertrauensverhältnis herzustellen, um prüfen zu können, ob ein Fall von häuslicher Gewalt vorliege. Das Gespräch kann aber auch telefonisch gesucht werden. Selbst im Falle einer Scheidung aufgrund von häuslicher Gewalt wird Hilfestellung gegeben. Falls eine Anruferin keine Möglichkeit hat, sich im Büro beraten zu lassen, fahren die Sozialpädagoginnen ggf. auch zu vereinbarten Orten, um die Frauen durch Gespräche zu unterstützen.

Bei den behandelten Fällen wird immer wieder deutlich, dass häusliche Gewalt nicht nur aus körperlichen Tätlichkeiten besteht, sondern sich auf verschiedene Weise äußern kann. So gibt es soziale Gewalt, bei der der Partner versucht, die sozialen Kontakte der Freundin oder Ehefrau zu kontrollieren, indem er z.B. verbietet, sich mit bestimmten Personen zu treffen. Ökonomische Gewalt ist eine weitere Form. Hier ist die Vereinbarung zwischen den Partnern so, dass die Frau bei den Kindern zuhause bleiben oder nur geringfügig verdienen soll, aber der Ehemann oder Freund gibt ihr kein Geld für Einkäufe oder zum Bezahlen von Rechnungen, so dass große wirtschaftliche Not bei den Frauen entsteht. Auch in Form von sexualisierter Gewalt äußert sich häusliche Gewalt. Dabei wird die Frau dazu gezwungen, bestimmte Sexpraktiken oder Ähnliches auszuüben. Die psychische Gewaltausübung ist in allen Fällen gegeben und ist stets der Vorläufer der körperlichen Gewalt. Die psychischen Misshandlungen machen sich durch Herabsetzungen, Beschimpfungen, Lügen usw. bemerkbar.

Von den Sozialpädagoginnen wurde auch die Problematik angesprochen, dass in Deutschland immer noch 15.000 Frauenhausplätze fehlen. Im Landkreis Cham gibt es zwar eine Schutzwohnung, doch wenn diese belegt ist, dann müssen die Betroffenen nach Schwandorf, Regensburg oder Straubing, falls sie akut von Gewalt bedroht sind. Sollte sich in der Beziehung bereits eine mögliche Eskalation anbahnen, empfiehlt es sich, bei einer Freundin eine Notfalltasche zu lagern, in der Kopien vom Ausweis und wichtigen Dokumenten enthalten sind, da teilweise auch diese Dokumente vom Partner entwendet werden. Um das individuelle Gefährdungspotential der einzelnen Frauen abzuschätzen, werden von den Fachberaterinnen auch Fragenbögen zusammen mit den Ratsuchenden ausgefüllt. Daraufhin folgt dann die Entscheidung, ob das Rausholen aus der Situation Priorität hat oder ob durch ein Kontaktverbot die Lage entspannt werden kann. Wie weit verbreitet häusliche Gewalt ist, zeigt sich auch daran, dass jede dritte Frau in ihrem Leben sexualisierte oder häusliche Gewalt erlebt. Das größte Problem ihrer Arbeit sei, so die Sozialpädagoginnen, dass sich viele Frauen nicht trauen, das Erlebte zu thematisieren oder sogar zur Anzeige zu bringen.

Umso wichtiger sei es auch, so die Fachberaterinnen, dass ihr Angebot bekannt werde und auch die Schülerinnen als Multiplikatoren dienen. Die Fachberatungsstelle für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder ist von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr von Montag bis Donnerstag und von 8 bis 14 Uhr am Freitag unter der Nummer 09971/9948017 erreichbar.

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