Culture Match statt Culture Clash
Im Rahmen von ERASMUS+ arbeitete Susanne Lieck bei einem sogenannten Job-Shadowing, das sich mit einem Praktikum vergleichen lässt, in den Osterferien für zwei Wochen in einem Londoner Café.
Für zwei Wochen wurde ich zum Schatten von Kollegen, die z.B. aus Ägypten, Italien und Schweden stammten. Manchmal auch zum Schatten meiner selbst, da es nicht nur schön, lehrreich, sondern auch sehr anstrengend - körperlich wie mental – war. Nun mag man sich fragen, wo fand denn diese Mobilität statt in Anbetracht der vorherigen Auflistung der Nationalitäten… es war London. Die zweite Frage ist sicherlich, und um was ging es da? Ich durfte Teil eines Teams in einem Café mit vielen Sitzplätzen im Außenbereich in einem kleineren Park werden, in dem es Full English Breakfast aber z.B. auch Falafel und Pasta gab. Die Speisekarte war so international, wie die Belegschaft selbst und ich mittendrin. Die Skepsis gegenüber meiner Person war zu Anfang sehr groß. Wenn man ehrlich ist, so wie mich stellt man sich – aus verschiedenster Hinsicht - keinen klassischen Praktikanten vor.
Bei der Suche der Praktikumsstelle war mir wichtig, dass sie in einem Stadtteil Londons liegt, den man als normaler Tourist nicht so wirklich auf dem Schirm hat und der mir selbst auch eher unbekannt ist. Das Ist kann ich jetzt zu einem War machen.
Im Vorfeld der Mobilität musste ich einen Allergy Awareness Course online besuchen und mit einem Zertifikat abschließen. Dieses Zertifikat ist die Grundlage für die Arbeit mit Lebensmitteln. Der erste Lernerfolg war damit schon vor dem eigentlichen Praktikum da.
Ich habe in allen Bereichen mitgearbeitet. In der Lagerhaltung oder auch beim Kassieren standen wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund. Im Servicebereich ging es z.B. darum, die Kundenwünsche so gut und schnell wie möglich zu erfüllen. Ausschlaggebend war hier, neben der Berücksichtigung von Allergien, auch die Ernährungsform (So gab es Full English Breakfast auch in einer vegetarischen und veganen Variante) sowie die Glaubensrichtung des jeweiligen Kunden. Wie wichtig den Betreibern die Erfüllung der Kundenwünsche ist, kann man auch daran ablesen, dass es mindestens fünf verschiedene Milchsorten einschließlich Kuhmilchersatzprodukten im Angebot gab. Außerdem galt es, das Kochgeschirr strikt zu trennen – aber auch die Zutaten – z.B. für Kunden, die die Ernährungsvorschriften des Islams einhalten. Die Kundschaft war so multikulti, wie die Belegschaft selbst. Auch hier war es ein harmonisches Miteinander. Des Weiteren habe ich auch in der Küche am Herd den Kochlöffel geschwungen und durfte Schritt für Schritt immer mehr Gerichte zu bereiten. Ich habe mich von Chips (der englische Begriff für Pommes) bis hin zu den unterschiedlichen Wraps hochgearbeitet.
Als meine Kollegeninnen gemerkt hatten, dass ich eine Hilfe, selten eine Last, und mir auch für nichts zu schade bin, wurde aus der anfänglichen Skepsis Dankbarkeit und das Interesse an meiner Person wurde immer größer. Was habe ich mich darüber gefreut und mache es noch. Es ging dann sogar so weit, dass sie mir auch ihre Familien gezeigt haben. Ich meine hier nicht einen Blick ins Handy in die Bildergalerie, nein, sie haben sie gebeten vorbeizukommen. ”You have to meet Susi!” And they met Susi. My pleasure!
What’s next? Die Tür zu den Lokalen (es sind mehrere – ich hatte mir explizit das Café gewünscht, in dem ich dann auch arbeiten durfte) und zum Catering-Service selbst bleibt für mich offen. “We would love you to come back.”
My bottom line: Auf meinen vielen Busfahrten sind mir diese beiden Poster, sie sind Teile von Kampagnen der Londoner Verkehrsbetriebe, immer wieder ins Auge gefallen und man kann die Botschaften auf alle Lebensbereiche – so auch (m)ein Praktikum – übertragen.
In diesem Sinne, be kind and be patient with others – und – ich möchte ergänzen – and also with yourself!
Thank you guys!