Inflation & Geldpolitik

Über fachkompetenten Besuch durften sich Mitte Januar die FOSBOS-Klassen der Ausbildungsrichtung Wirtschaft/Verwaltung in den 12. und 13. Jahrgangsstufen am BSZ Cham freuen. Charlotte Schnitzler, Mitarbeiterin im Stab des Präsidenten der Bundesbank-Hauptverwaltung in Bayern, informierte rund um das komplexe Thema „Geldpolitik des Eurosystems“.

Die Referentin ging zunächst auf die unterschiedlichen Aufgaben von Zentralbanken einerseits und Geschäftsbanken andererseits ein: Hauptaufgabe der Zentralbanken sei die Sicherstellung der Preisstabilität mit Geschäftsbanken und staatlichen Stellen als Kunden. Die Geschäftsbanken dagegen würden versuchen, durch Zinsmargen beim Kredit- und Einlagengeschäft mit Privatkunden und Unternehmen Gewinn zu machen. Den ersten Schwerpunkt in den Ausführungen von Charlotte Schnitzler bildete die Inflation, die in der Nach-Corana-Zeit stetig in Richtung bzw. sogar knapp über 10 Prozent anstieg. „Inflation geht immer zu Lasten der sozial Schwächeren“, so Schnitzler, „Gewinner“ des breit angelegten Anstiegs der Preise für Waren und Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum hinweg seien dagegen Schuldner und Besitzer von Sachwerten. Auch grafisch anschaulich dargestellt wurde von der Stab-Mitarbeiterin der Kaufkraftverlust des Geldes durch die Inflation. Selbst bei einer moderaten Inflation von nur 2 Prozent jährlich sind beispielsweise 100 Euro aus dem Jahr 2020 nach fünf Jahrzehnten im Jahr 2070 weniger als 40 Euro wert.

Des Weiteren ging Charlotte Schnitzler auf die Deflation mit sinkenden Preisen ein. Die Inflation könne von unabhängigen Notenbanken gut bekämpft werden, die Deflation, die eine Abwärtsspirale mit sich verstärkenden Preis-, Lohn- und Produktionsrückgängen sowie zunehmender Arbeitslosigkeit mit sich bringt, dagegen nicht. „Deflation ist deshalb eine riesige Katastrophe“, so Schnitzler. Als Preisstabilität definiert die Europäische Zentralbank einen Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von mittelfristig 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese 2 Prozent sind sozusagen „ein Sicherheitsabstand zur Deflation“, den sich alle großen Notenbanken weltweit zum Ziel nehmen.

Im Hauptteil ihrer Ausführungen erläuterte Charlotte Schnitzler den monetären Transmissionsmechanismus und ging damit der Frage nach, wie Geldpolitik funktioniert. Durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges und entsprechend hohen Inflationsraten nahm die EZB von Sommer 2022 bis September 2023 innerhalb von 14 Monaten zehn schrittweise Erhöhungen des Leitzinses von 0 auf 4,5 Prozent vor. Jetzt hat sich die Inflation wieder nach unten beim Zielwert von 2 Prozent eingependelt und entsprechend ist der Leitzins nach und nach wieder auf 2,15 Prozent gesenkt worden. Damit werden für die Geschäftsbanken die Refinanzierungsmöglichkeiten bei den Zentralbanken günstiger, es sinken die Zinsen für die Kunden und dies führt wiederum zu steigender Kreditnachfrage von Unternehmen und Haushalten. Dadurch soll die Investitions- und Konsumgüternachfrage angeregt werden. Allerdings steigt damit auch wieder der Druck auf ein höheres Preisniveau.

Die Corona-Pandemie führte zu einem Schock in der Realwirtschaft und es drohte eine Liquiditätsklemme. Darauf musste die EZB mit ihrer Geldpolitik schnell reagieren, um die Kreditvergabe der Geschäftsbanken anzuregen und eine Liquiditätsklemme zu verhindern. „Es ist notwendig, dass die Geldpolitik ihr vorrangiges Ziel der Preisstabilität erfüllt, ohne die Realwirtschaft mehr als nötig zu schädigen“. Schwächere Wachstumsaussichten, die in erster Linie auf strukturelle und nicht auf konjunkturelle Nachfragefaktoren zurückzuführen seien, würden nicht in den Bereich der Geldpolitik fallen. Immer zu bedenken sei aber auch, dass sich die Eurozone aus unterschiedlichen Staaten mit unterschiedlichen Mentalitäten zusammensetze. Schnitzler verwies hierzu auf die unterschiedlichen Staatsschulden in den einzelnen Ländern.

Abschließend stellte Charlotte Schnitzler den Schülern auch noch das Duale Studium bei der Deutschen Bundesbank vor. Möglich sind etwa der Studiengang „Zentralbankwesen“ bzw. „Central Banking“ (Bachelor) an der Hochschule der Deutschen Bundesbank in Hachenberg oder das Duale Studium „Betriebswirtschaft“ (Bachelor) im Verbund mit der OTH Regensburg. Nach Ende des Studiums ist eine Übernahmegarantie und ein unbefristetes Arbeitsverhältnis sichergestellt. Zum Abschluss der Veranstaltung bedankte sich die VWL-Lehrerin Maria Baumgartner, die den Vortrag organisiert hatte, bei der fachkundigen Referentin mit einem Präsent.

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